Chronik

Die Vorgeschichte begann mit dem 4. Adventssonntag 1946, als die Sängerinnen und Sänger des katholischen Kirchenchores sich im Nebenzimmer der Gastwirtschaft Kiefer zu einer Weihnachtsfeier zusammenfanden. Dieses musste in aller Heimlichkeit geschehen, denn alle Zusammenkünfte von größeren Personengruppen waren zu dieser Zeit meldepflichtig und wurden überwacht.

Genau so wie damals der menschliche Körper nach genügend Essen verlangte, so wollte auch der Geist befriedigt werden. Nach dem Krieg mit all seinen fürchterlichen Auswirkungen - und dazu für uns noch die zweimalige Evakuierung - sehnten sich die Menschen nach Frieden, kleinen Freuden und Entspannung, denn sie waren müde geworden von Kampf, Unrast und Tränen. Sie wollten wieder aufbauen - auch was geistig, moralisch und kulturell in Trümmern lag. Was lag da näher, sich zunächst musikalisch, gesanglich und theatralisch zu betätigen, obwohl es nur ganz wenigen Musikern gelungen war, ihre Musikinstrumente über die schlimme Zeit zu retten.

Einige Jahre hindurch war der Kirchenchor das Sammelbecken aller Idealisten und Kulturschaffenden unseres Dorfes. Es wurde gesungen, Theater gespielt, musiziert und auch mal ein Tänzchen riskiert. Durch den Abgang des Chorleiters 1949 war auch die Mitgliederzahl des Kirchenchores erheblich gesunken, sodass ein Theaterspielen innerhalb des Chores kaum noch möglich war.

So wurde aus der Not eine Tugend gemacht.Der Dreier-Bund wurde proklamiert, d.h. Mitglieder des Bergmannsvereins, der freiwilligen Feuerwehr und des katholischen Kirchenchores fanden sich gleich 1950 zusammen, um Musik und Theater weiterhin zu pflegen.

Das erste Aufführungsstück war das "Vater unser" oder "Unschuldig zum Tode verurteilt" welches an Ostern 1947 unter der Spielleitung unseres verstorbenen Pater Gammel über die Bühne rollte.

Doch zuerst musste ein Bühne geschaffen werden. Dies geschah im Januar 1947 im Saal Rupp. Das Holz für diesen Bühnenbau entnahm man aus der alten Kirche. Die Kulissen waren Betttücher und die Rückwand waren Teppiche. Scheinwerfer waren aus Blechdosen gefertigt. Die Bühne und das Bühnenbild waren zwar etwas primitiv, um so größer aber war die Begeisterung und die spielerische Leistung und somit war an einem Erfolg kaum noch zu zweifeln. Im Spätherbst 1948 wurde dann vom Kirchenchor eine Kulissenbühne mit einem Vorhang errichtet. In den Jahren 1947 bis Ende 1949 wurden zwölf Theaterabende mit mehr oder weniger großem Erfolg veranstaltet. Von dem Dreier-Bund, der 1950 in Erscheinung trat, bis zur Gründung des Theatervereins im Jahre 1952 wurden 5 Theaterstücke mit großem Erfolg inszeniert und zum Teil noch im Saal Rupp und ab 1951 im Saal Müller aufgeführt.

Am Anfang des Jahres 1952 wurden dann laut Verordnung der Militärbehörde alle Vereine und Verbände wieder zugelassen. Da jedoch keiner das Theaterspiel in sein Repertoire aufgenommen hatte, lag es nah, dass sich die Laienspieler in einem Verein zusammnschlossen. Und so erfolgte dann am 2. März 1952 im Saal Müller die Gründungsversammlung des Theatervereins "Einigkeit".

Nun waren endlich die Laienspieler legalisiert und 10 Wochen später konnte das erste große Spiel "Die schöne Müllerin" mit Musik und Gesang im Saal Müller aufgeführt werden. Noch größer jedoch war der Erfolg, als an Weihnachten das historische Trauerspiel "Donatus" aufgeführt wurde. Die alte Kulissenbühne, welche der Theaterverein vom katholischen Kirchenchor übernommen hatte, war inzwischen baufällig geworden, so dass Ende 1955 eine Vorhangbühne angeschafft wurde.

Dass der Verein auch für die Kirchengemeinde im Einsatz war, soll ebenfalls erwähnt werden. Es wurden zwei Theaterabende gestaltet, deren Erlös dem Orgelfond zur Verfügung gestellt wurde. Dass das Kirchenfenster (die Darstellung der heiligen Oranna) eine Stiftung des Theatervereins ist, möchte ich nebenbei bemerken.

Jawohl, ein Verein mag vieles vermögen, wenn er immer wieder gefordert aber auch unterstützt wird. Und unterstützt wurde der Verein immer wieder durch sein Publikum. An dieser Stelle sei allen Freunden und Gönnern des Vereins ein herzliches Dankeschön gesagt. Nicht allein die historischen Spiele waren Höhepunkte des Vereinsgeschehens, sondern auch die Lustspiele in Mundart waren besondere Leckerbissen.

"Käth, hall et Maul", "De Kurwel", "De Kinddäf", "De Kragensknopp", "Wer melkt die Ziege?", "Der Meisterlügner", "Der Meisterboxer", "Ein Koffer voller Geld", "Urlaub auf dem Bauernhof", "Lügen über Lügen", "Chaos hoch drei", "Das Loch in der Wand", "Die unglaubliche Geschichte des geklauten Stinkkäs'", "Blaues Blut und Erbsensuppe", "Die Gedächtnislücke", "Ein Mann steht durch", "Kurzschlüsse", "Im Doppelhaus geht's wieder rund", "Pension Schöller", "Geld macht doch nicht glücklich", "Wunder gibt es immer wieder", "Theater auf der Küchenbank", "Gauner", "Hugos Heldentat", "Der Papa wird's schon richten", "Die Power-Paula", "Miss Marple" und viele andere mehr wurden bisher mit großem Erfolg aufgeführt. Immer wieder war das Publikum begeistert und meinte: "Das war wohl das beste Stück bis jetzt".

Gern gesehen und noch mehr belacht wurden die vom Theaterverein, Kirchenchor, Gesangverein und Mandolinenclub veranstalteten Kappensitzungen. Nach 14-jähriger Pause, gemäß alter Tradition, werden wieder seit 1982 Theateraufführungen für den Bergmannsverein am Barbaratag durchgeführt.

Am 16. Mai 1987 feierte unser Verein das 35-jährige Bestehen und 1988 führte Stefanie Labouvie erstmals ein Krippenspiel mit unserer Jugend auf. Denn eins hat sich unser Verein nunmehr auf die Fahnen geschrieben: wir brauchen Nachwuchs. Also bauten wir eine Jugendgruppe auf. In dieser Gruppe konnte jeder Mitglied werden und Theater spielen, wenn er nur laufen und reden konnte.

Erwähnt sei noch, dass es nicht immer einfach war Spieler zu finden. So mussten wir, als wir an Palmsonntag sowie an Gründonnerstag im Jahr 1989 das Passionsspiel "Pilatus" aufführten, drei Herren aus dem Karneval- und Theaterverein Lisdorf ausleihen. Als Gegenzug spielten wir dieses Stück dann auch in Lisdorf. Der Ortsvorsteher von Überherrn Dietmar Berrar war so hellauf begeistert, dass er uns im Amtsblatt mit viel Lob erwähnte.

Mit Hilfe des Kulturamtes Überherrn spielten wir seit Oktober 1989 fest im Kulturhaus Überherrn. Dies war insbesondere notwendig geworden, als das Gasthaus Rupp seine Pforten schloss. Es gab somit seit 1990 keine Möglichkeit für unseren Verein im Heimatort Altforweiler zu spielen. Für mich als Überherrner war das ein gefundenes Fressen, jetzt endlich das Kulturhaus in Überherrn hervorzuheben. Unser Publikum steigerte sich von anfänglich 50 Personen über 160 Personen, dann 200 bis hin zu 320 Personen. Wir setzten einen Bus ein, welcher von Altforweiler über Berus die Menschen kostenlos hin und zurück brachte. Wir mussten ab 1991 jeweils an zwei Tagen in Überherrn spielen, so groß war der Andrang. Auch das Kinder- und Jugendtheater spielte unter der Leitung von Stefanie Labouvie erstmals im Kulturhaus Überherrn. 269 Zuschauer schrieen nach einer Zugabe, so dass das Theaterstück "Hurra, wir haben ein Gespenst geerbt" zweimal hintereinander aufgeführt wurde. Unsere Jugend wurde nun auch fester Bestandteil bei Jugendaufführungen und an der Fastnacht.

1992 wurde unser Verein 40 Jahre alt und wir spendeten der Sozialstation Wadgassen einen Geldbetrag in Höhe von 900,- DM.

Im März 1993 packte uns die Reiselust. Wir wollten auch nach Saarlouis. Die Bretter, die die Welt bedeuten - auf einer großen Bühne spielen, das war unser Ziel. Gemeinsam mit dem SSV Saarlouis war es uns möglich im Theater am Ring in Saarlouis aufzutreten. Wenn es auch im März 1993 nur 92 Zuschauer waren, so steigerte sich die Zahl schnell über 138, dann 170 bis hin zu ca. 400 Zuschauern. Und das ohne Einbußen in Überherrn.

Mit dem Theaterstück "Pension Schöller" verabschiedete sich Stefanie Labouvie nach acht Jahren Spielführung von ihrem Amt und übergab dieses an Evi Philippi.

Unstimmigkeiten mit dem SSV Saarlouis führten dazu, dass wir seit Oktober 1996 unter alleiniger Regie in Saarlouis spielten. Und das mit steigendem Erfolg.

1996 haben wir uns neu strukturiert, so dass wir ohne unsere Jugendlichen jetzt 30 aktive und 10 inaktive Mitglieder hatten.

Nach 7 Jahren Pause, konnte endlich der Theaterverein "Einigkeit" Altforweiler wieder in Altforweiler spielen. Am 22. und 23. November 1997 hatten wir mit dem Stück "Gauner" Premiere im Saal Reichshof. An beiden Tagen war der Saal brechend voll. Auch das Kulturhaus war acht Tage später ausverkauft und in Saarlouis zählten wir mit dem gleichen Stück im Januar 1998 ca. 400 Zuschauer.

Seit dem Jahr 2000 wechseln immer mehr Jugendliche aus dem Jugend- ins Erwachsenenensemble über. Unsere Idee gab uns recht, so dass wir auch unseren Vorstand seit 2001 verjüngt haben.

Alle Anforderungen an den Verein wie zum Beispiel Enrtedankfest, Pfarrfest, Dorffest, Kirmes, Altenehrung usw. wurden hervorragend und mit Begeisterung gemeistert. Auch unser Engagement bei anderen Vereinen wurde immer mit viel Anerkennung gewürdigt. Für diese vielen aufreibenden Arbeiten des Bühnenaufbaus, des Rollenlernens, der vielen Proben und vielen Arbeit rund um das Theaterspielen wurden vom Verein für alle Mitglieder mehrere Familienabende, Ausflugsfahrten - auch mehrtägige - und sonstige Feiern durchgeführt, damit man sich gegenseitig und miteinander neue Kraft und Stärke verleiht.

Doch es gab in der Geschichte des Vereins auch schon mal Krisenzeiten, wie sie eben in allen Bereichen auftreten. Aber eine ordentliche Verschnaufpause tut jedem einmal gut. Hauptsache ist es, dass aus einem solchen Stillstand kein Dauerzustand wird.

Diese Zusammenfassung der Geschichte des Theatervereins "Einigkeit" basiert auf der von Wolfgang Büch erstellten Festschrift zu unserem 50-jährigen Jubiläum.

Vorstand

1. Vorsitzender Joachim Brandt
2. Vorsitzende Andrea Krause
1. Schriftführer Josef Abel
2. Schriftführer Tamara Abel
1. Kassiererin Annelie Weiler
2. Kassiererin Anne Tietz
1. Beisitzerin Michelle Büch
2. Beisitzer Dieter Guldner
3. Beisitzer Anja Feiler
Spielleiter/in Michael Büch
Gertrud Jager
Pressewart Wolfgang Büch
Bühnenaufbau Bruno Krause
Uwe Keim
Kassenprüfer Nicole Keim
Achim Onken